| Du
Temps & de l’Instant
1. Cantiga de amigo V: Quantas sabedes amare
Martin Codax (s. XII) 4’34
Montserrat Figueras, Arianna Savall, Ferran Savall,
Jordi Savall
2. Nastaran (Naghma instr.) Anonyme (Afghanistan)
4’37
Arianna Savall, Ferran Savall, Jordi Savall, Pedro Estevan
3. Noumi, noumi yaldatii Berceuse Hébraïque
(Israël) 4’39
Montserrat Figueras, Arianna Savall, Ferran Savall,
Jordi Savall, Pedro Estevan
4. Variations sur O Soñjal (Gwerz Breton)
4’29
Arianna Savall, Ferran Savall, Jordi Savall, Pedro Estevan
5. La Cançó del Lladre
6’03
Ferran Savall (voix & théorbe)
6. Romanesca & Pasamezzo (instr.) Diego
Ortiz 2’37
Arianna Savall, Ferran Savall, Jordi Savall
7. La Salve 5’18
Arianna Savall, Jordi Savall, Pedro Estevan
8. Paxarico tu te llamas (instr.) Anonyme Séfarade
(Sarajevo) 3’45
Jordi Savall, Arianna Savall, Ferran Savall, Pedro Estevan
9. Apoxeno neros Traditionnelle Grecque
2’57
Montserrat Figueras, Jordi Savall, Arianna Savall, Ferran
Savall, Pedro Estevan
10. Ghazali tal jàhri (instr.) Anonyme
(Maroc) 1’37
Jordi Savall, Ferran Savall, Arianna Savall, Pedro Estevan
11. Durme, durme hermosa donzella Berceuse
Sefardi (Rhodes) 4’37
Montserrat Figueras, Jordi Savall, Ferran Savall, Arianna
Savall, Pedro Estevan
12 . Tarantela d’après Lucas Ruiz
de Ribayaz (ca.1650) 4’57
Arianna Savall, Pedro Estevan
13 . Jaroslaw (improvisations) 6’48
Ferran Savall, Jordi Savall
14. Canarios (improvisations instr.)
3’13
Jordi Savall, Arianna Savall, Ferran Savall, Jordi,
Pedro Estevan
15 . Fantasiant 4’03
Arianna Savall, Ferran Savall
16. Muzettes I-II (IV. 28.29) Marin Marais (1656-1728)
2’59
Jordi Savall, Ferran Savall, Arianna Savall
17. El Cant dels Aucells Traditionnelle catalane
/ Jordi Savall 3’50
Montserrat Figueras, Arianna Savall, Ferran Savall,
Jordi Savall
18. Diferencias sobre la Guaracha Mexique (s.
XVII) Jordi Savall 3’41
Jordi Savall, Arianna Savall, Ferran Savall, Pedro Estevan
19 . Sentirete una canzonetta Tarquinio Merula
3’14
Jordi Savall, Montserrat Figueras, Arianna Savall, Ferran
Savall, Pedro Estevan
74’25
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Du
Temps & de l’Instant
„Du temps & de l’instant“ (Aus
der Vergangenheit und der Gegenwart) stellt eine ganz
persönliche Auswahl jener Melodien dar, die durch
ihre Zartheit und Schönheit, aber auch durch ihre
Aussagekraft und Harmonie bestechen.
Die Musik „aus der Vergangenheit“, hier
vertreten von Weisen aus anderen Zeiten, ist die lebende
Erinnerung an eine teils sehr entfernte, zugleich aber
sehr nahe Vergangenheit, da sie zu unserem geschichtlichen
und persönlichen Gedankengut gehört. Dagegen
umfasst die Musik „aus der Gegenwart“ all
jene einzigartigen und vergänglichen Stücke,
die in dem Augenblick zu Tage treten, in dem sich der
musikalische Diskurs in Freiheit und Harmonie, stets
auf der Suche nach einer neuen Ausdrucksform entfalten
kann.
Die Musik ist die Kunst des Gedächtnisses par excellence,
da sie nur in dem Augenblick existiert, in dem sie durch
von der Menschenstimme oder Musikinstrumenten erzeugte
Schallwellen Form nimmt, und gerade durch diese Einschränkung
wird sie gleichzeitig zur menschlichsten und spirituellsten
aller Kunstrichtungen. Somit ist die Musik eines der
umfassendsten Ausdrucks- und Kommunikationsmittel, und
das Ausmaß ihrer Bedeutung wird nicht von sprachlichen
Entwicklungskriterien – im Sinne der Geschichte
und des Fortschritts –, sondern von ihrem Grad
an Ausdrucksintensität, innerem Reichtum und Menschlichkeit
bestimmt. In dieser Hinsicht wird die historische Bedeutung
als Kunstwerk nicht von der notwendigen Entwicklung
des Tonmaterials (Melodie, Harmonie, Rhythmus, Klangfarbe,
usw.), sondern vom Ausdruckswillen jener vorgegeben,
die sich dessen bedienen (Komponisten und Instrumentalisten).
Das Programm „Du temps & de l’instant“
ist als interkultureller Dialog gedacht, der versucht,
echte Brücken zu schlagen oder aufzuzeigen, und
zwar
zwischen orientalischer und abendländischer Musik,
zwischen ernster und aus der mündlichen Tradition
hervorgegangener volkstümlicher Musik,
zwischen Musik aus früheren Zeiten und der Gegenwart,
zwischen verschiedenen Generationen von Instrumentalisten
und
zwischen den Musikern und dem Publikum.
Als Musiker sind wir vor allem Kinder unserer Zeit,
genauer genommen das Resultat eines individuellen –
also einzigartigen – Gleichgewichts zwischen unserem
eigenen Geist und dem uns umgebenden Zeitgeist. Sich
zu Beginn des 21. Jahrhunderts für ein Repertoire
zu entscheiden, das bis auf das 11. Jahrhundert zurück
greift, erfordert zunächst jenes innere Bedürfnis,
das sich auf halbem Weg zwischen der Berufung und der
Leidenschaft befindet. Somit führt die Kenntnis
der repräsentativsten Werke der Vergangenheit und
ihrer Wiederbelebung in unserer Zeit – unter Berücksichtigung
der verschiedenen historischen und stilistischen Kontexte,
jedoch frei von jeglicher theoretisierender Betrachtungsweise
– zur Wiederfindung der eigentlichen Ursprünge
unserer eigenen Kultur. Die Erneuerung dieses Raums
der Schöpfung, Improvisierung und Experimentierung
über den Dialog zwischen den verschiedenen Kulturen
und Traditionen bedeutet gleichzeitig die Öffnung
unseres Geistes zu all den vertonten Wundern, die an
der Entstehung eines der Grundpfeiler der modernen humanistischen
Zivilisation maßgeblich beteiligt waren und nach
wie vor zu dessen Blüte verhelfen, nämlich
der Musik, verstanden als wahrhaftige lebende Geschichte
der Menschheit.
JORDI SAVALL
Cardona, im Frühling 2005
Übersetzung: Gilbert Bofill
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